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08.10.2018 11:50 Alter: 72 days
Kategorie: SoCareNet Europe

Diversität zwischen hohen Ansprüchen und harter Wirklichkeit/Diversity between high demands and hard reality

Jahreskonferenz des europäischen SoCareNet-Netzwerks fand in Budapest statt/Annual Conference of the European SoCareNet Network took place in Budapest


Budapest – „Diversität und soziale Inklusion in Europa“ lautete das Thema der diesjährigen SoCareNet-Jahreskonferenz in Budapest. Die rund 50 Teilnehmer der 19. Auflage dieser Tagung sprachen über die damit verbundenen Anforderungen an Politik, Zivilgesellschaft und soziale Unternehmen.

Der Tagungsort in Ungarn, wo eine einwanderungskritische Regierung ihre Macht mit umstrittenen Maßnahmen gefestigt hat, verlieh der Konferenz einen besonders spannenden Rahmen. Eigentlich hatte sich ein Staatssekretär angekündigt, doch schließlich wurde doch nur ein relativ neutrales Grußwort verlesen, dem es hieß, die ungarische Regierung sehe soziale Organisationen als Verbündete.

Die Fäden des SoCareNet-Netzwerks laufen im Institut für Internationale Beziehungen der Diakonie Neuendettelsau zusammen. Dessen Leiter Thorsten Walter begrüßte die Teilnehmer gemeinsam mit Tibor Hajdú von der gastgebenden ungarischen evangelisch-lutherischen Diakonie. Deren Bischof Peter Kondor stellte die ungarische Diakonie vor. Dr. Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau, meinte, die Frage nach den Werten eines Unternehmens werde wichtiger, weil Glaubwürdigkeit einen Wettbewerbsvorteil darstelle.

 

Nachdenken über christliche Solidarität
Heather Roy, Generalsekretärin des Verbands Eurodiaconia, beschrieb die hohen Ansprüche und die harte Wirklichkeit beim Thema Diversity im Raum der Diakonie. Angesichts der Komplexität sozialer Bedürfnisse und begrenzter finanzieller Spielräume befinde sich die Diakonie an einer Weggabelung und müsse sich fragen, wo ihr Platz in Gesellschaften ist, die immer stärker von den Regeln des Marktes, Säkularisation und Populismus geprägt seien. Wanderungsbewegungen seien nur ein Teil eines komplizierten Geflechts von transnationalen Herausforderungen. Die Diakonie könne sich durch Einflussnahme auf den politischen Entscheidungsprozess, Dialogbereitschaft, den Einsatz für eine ausreichende Finanzierung und das Nachdenken über das Wesen christlicher Solidarität konstruktiv einbringen.

Für ein differenzierteres Bild der ungarischen Regierung warb Martin Kastler, der für die Aktivtäten der Hanns-Seidel-Stiftung in Tschechien, Ungarn und der Slowakei verantwortlich ist. So habe sich diese besonders für die Integration der in Ungarn lebenden Roma eingesetzt. Auch er sieht Europa in der Frage der sozialen Gerechtigkeit an einer Wegscheide. Verständnis und Respekt seien nötig, auch gegenüber Meinungen aus Osteuropa. Die unterschiedlichen Probleme in verschiedenen europäischen Regionen erfordern auch jeweils andere politische Antworten, meinte Kastler.

 

Im zentralen thematischen Vortrag ermutigte der häufig als „Diversitäts-Guru“ bezeichnete Wirtschaftsingenieur und Buchautor Michael Stuber dazu, den Wert gesellschaftlicher Diversität zu entdecken und zu gestalten. Unterschiede und Komplexität schaffen aber nicht automatisch einen Mehrwert, erläuterte er. Vielmehr sei ein Inklusionsprozess voller Lernerfahrungen nötig, um Potenziale optimal zu nutzen.


Eckpfeiler und Grundwert

Diversität sei ein Eckpfeiler für Europa und die Wertschätzung von Verschiedenheit ein europäischer Grundwert. In Verbindung mit Inklusion als Schlüsselmechanismus der europäischen Gesellschaft sei Diversität eine Notwendigkeit, um den Erfolg des europäischen Modells in der Zukunft zu sichern.

Das Bild einer Gesellschaft, die sich in die exakte Gegenrichtung entwickelt, zeichnete anschließend Aiski Ryokas vom ungarischen Helsinki-Komitee. Der Spielraum für eine kritische Zivilgesellschaft sei in Ungarn in den letzten Jahren massiv geschrumpft, sagte sie. Dafür hätten Hasskampagnen, eine negative Berichterstattung in den fast vollständig von der Regierung kontrollierten Medien und eine restriktive Gesetzgebung gesorgt.

Zumindest aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht macht Diversität aber offenbar auch in Ungarn Sinn. Der entsprechende Beitrag von Prof. Dr. Krisztina Szegedi von der Budapest Business School ließ jedenfalls eine positive Grundhaltung zu diesem Thema spüren.

Danach konnten die Teilnehmer bei Studienbesuchen in verschiedenen Einrichtungen die Sozialarbeit in Ungarn in der Praxis kennenlernen.

Wie Inklusion in der Dortmunder Nordstadt praktisch funktioniert, schilderte Frank Merkel von der Caritas Dortmund. Helle Cristiansen von Kirkens Korshaer in Dänemark verdeutlichte, vor welchen Herausforderungen die Bemühungen um soziale Inklusion in dem skandinavischen Land stehen. Anna Weiß stellte zum Abschluss das Projekt WIND (Werte – Innovation – Diversity) vor, dass von der Diakonie Neuendettelsau gemeinsam mit der Caritas Nürnberg durchgeführt wird.

 

 

Budapest – "diversity and social inclusion in Europe" was the theme of this Year's SoCareNet Annual conference in Budapest. The approximately 50 participants of the 19th edition of this conference spoke about the associated requirements for politics, civil society and social Enterprises.
The meeting place in Hungary, where an immigration-critical government has strengthened its power with controversial measures, gave the conference a particularly exciting Framework. A secretary of state had actually announced himself, but after all, only a relatively neutral greeting was read, which stated that the Hungarian Government sees social organizations as Allies.

The strands of the SoCareNet network are run by the Institute for International Relations of the Diakonie Neuendettelsau. Whose head Thorsten Walter welcomed the participants together with Tibor Hajdú from the host Hungarian Evangelical-Lutheran Diakonia. Whose Bishop Peter Condor presented the Hungarian Diakonia. Dr. Mathias Hartmann, chairman of the board of Diakonia Neuendettelsau, said that the question of the values of a company is becoming more important because credibility is a competitive advantage.

Thinking about Christian Solidarity
Heather Roy, Secretary General of the Eurodiaconia association, described the high demands and the harsh reality of diversity in the field of Diakonia. Given the complexity of social needs and limited financial margins, the Diakonia is at a crossroads and must wonder where its place is in societies that are increasingly dominated by the rules of the market, secularization and populism. Migratory movements are only part of a complex network of transnational Challenges. The Diakonia could contribute constructively by influencing the political decision-making process, willingness to engage in dialogue, the use of sufficient funding and reflection on the nature of Christian Solidarity.

Martin Kastler, who is responsible for the activities of the Hanns-Seidel-Foundation in the Czech Republic, Hungary and Slovakia, promoted a more nuanced picture of the Hungarian Government. This has particularly been used for the integration of Roma living in Hungary. He too sees Europe as a crossroads on the issue of social justice. Understanding and respect are necessary, even in relation to opinions from Eastern Europe. The different problems in different European regions also require different policy responses, said Kastler.
In the central thematic lecture, the economic engineer and author Michael Stuber, often described as a "diversity guru", encouraged the discovery and shaping of the value of social Diversity. However, differences and complexity do not automatically create added value, he explained. Rather, an inclusive process of learning experiences is needed to make the best use of potential.

Cornerstone and Fundamental value

Diversity is a cornerstone for Europe and the appreciation of diversity is a European fundamental value. In connection with inclusion as a key mechanism of European society, diversity is a necessity to ensure the success of the European model in the Future.

The image of a society that developed in the exact opposite direction was then Aiski Ryokas by the Hungarian Helsinki Committee. The scope for a critical civil society has been massively shrunk in Hungary in recent years, she said. This would have caused hate campaigns, negative coverage in the almost entirely government-controlled media, and restrictive Legislation.

But, at least from an economic point of view, diversity also seems to make sense in Hungary. The corresponding contribution by Prof. Dr. Krisztina Szegedi from the Budapest Business School had a positive basic attitude to this topic in any Case.

Afterwards, the participants were able to get to know the social work in Hungary in practice during study visits in various Institutions.

Frank Merkel of Caritas Dortmund described how inclusion in the Dortmund Nordstadt practically works. Helle Cristiansen of Kirkens Korshaer in Denmark clarified the challenges facing the efforts towards social inclusion in the Scandinavian country. In conclusion, Anna Weiß presented the project Wind (Values – Innovation – Diversity), which is carried out by the Diakonie Neuendettelsau together with Caritas Nürnberg.